skip to content

SCHENKUNG DER BEDEUTENDEN SAMMLUNG HEINZ PLONER

Spiegel Online


 

SCHENKUNG DER BEDEUTENDEN SAMMLUNG HEINZ PLONER

Anlässlich der heutigen im 21-er Haus stattfindenden feierlichen Bekanntgabe der Schenkung der Sammlung Ploner an das Belvedere, die Albertina und das Joanneum, erklärte sich seine Witwe Regina Ploner freundlicherweise bereit, uns in einem persönlichen Interview einiges über das Leben und Schaffen Ihres Mannes zu erzählen, der unerwartet im Jahr 2011 verstarb. Dr. Heinz Ploner war ein bedeutender Sammler zeitgenössischer österreichischer Kunst. Impulse dazu sind sicher auch seiner Freundschaft mit dem österreichischen Maler Gottfried Helnwein zuzuschreiben.


 

„Was bewog Sie und Ihren Ehemann dazu, eine derart umfangreiche und wertvolle Sammlung so uneigennützig der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen?“

R.P.: „Gemäß des Umfanges dieser Sammlung war es immer nur möglich maximal 5-10% der Werke im eigenen Haus aufzuhängen. Der Rest lagerte professionell verpackt im Kunstdepot. Begreiflicherweise war ich über 2 Jahre nach seinem Tod seelisch nicht in der Lage mich darum zu kümmern. Als ich mich dann aufraffte und dem Depot einen Besuch abstattete, blutete mir beim Anblick der verpackten Kunstwerke das Herz, weil in jenem Zustand niemand etwas davon hat, weder ein Betrachter, noch die Künstler. Auch die Überlegung, was nach mir mit der Sammlung weitergeschehen soll, führte mich zu einer logischen Schlussfolgerung. Die Sammlung soll in Institutionen eingebracht werden, die mich mit Sicherheit überdauern. Diese Entscheidung ist auch durchaus im Sinne meines Mannes, weil er selbst schon zu Lebzeiten die Absicht geäußert hatte, die Sammlung der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Erste Ansätze dazu waren 5 Ausstellungen in unserem Haus, die gut besucht und mit großem Interesse angenommen wurden.“
„Wann erwachte denn seine Liebe zur Kunst?“
R.P.: „Kurz nach seinem Jura- und Wirtschaftsstudium begann er einen Galeristen in rechtlichen und finanziellen Fragen zu beraten und erwarb die ersten Kunstwerke. Zu Beginn der 90-iger Jahre übersiedelten wir nach Hietzing und meine Schwägerin empfahl, als unsere Innenarchitektin, dass nur ausgewählte Originale von erstklassigen modernen Künstlern der Wohnung das richtige Ambiente geben würden. Daraufhin besuchte er das Atelier von Josef Mikl und war von den Werken so in den Bann gezogen, dass er das Bild „Der blaue Schreitende“ erwarb und in unserem Wohnzimmer aufhängte. Das war die Geburtsstunde seiner Sammlung und „Der blaue Schreitende“ von Josef Mikl bleibt natürlich in meinem privaten Besitz. Die Sammlung beinhaltet Werke von über 20 zeitgenössischen Künstlern. Dazu zählen Herbert Brandl, Hubert Scheibl, Erwin Bohatsch, Adrian Schiess, Erwin Wurm, Otto Zitko, Max Weiler, natürlich Josef Mikl und zahlreiche andere namhafte Künstler.“
„Was hat Dr. Ploner beruflich gemacht?“
R.P.: „Im Jahr 1970, nach der Matura begann er sein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien und promovierte 1974. Anschließend setzte er sein Studium mit Betriebswirtschaftslehre bis 1977 fort und erweiterte seinen Erfahrens- und Wissensdurst mit zahlreichen ausländischen Praktika, unter anderem in Paris.
Von 1978 bis 1996 war er als Chief Financial Officer im Bereich Telekommunikation tätig.
Seit 1987 auch CFO im Bereich Allergie Diagnostik und Forschung.
Ab 1997 widmete er sich intensiv dem Aufbau seiner privaten Kunstsammlung und war seit 2004 Advisory-Board Mitglied des Museums Moderner Kunst, Stiftung Ludwig in Wien. Von 2004 bis 2005 Ehrenamtliche Mitarbeit beim MUMOK-Ausstellungsprojekt „Neue abstrakte Malerei aus Österreich“ in China (Shanghai, Beijing, Xian und Guangzhou) und Wien.“
„Wie würden Sie den Menschen Heinz Ploner beschreiben?“

R.P.: “Ich war seit 1980 mit ihm verheiratet. Kennengelernt haben wir uns durch die Freundschaft mit dem Ehepaar Helnwein. Ihn als Menschen zu beschreiben würde den Umfang dieses Interviews allerdings sprengen. Aber wir können ihn hier für sich selbst sprechen lassen. Das beschreibt ihn und seine Persönlichkeit, sowie seine Einstellung zur Kunst sehr gut."

 

„Sammeln ist für mich Abenteuer und Erlebnis in einem sehr umfassenden Sinn. Es geht weit über die beiden Begriffe „Entdecken" und „Besitzen" hinaus. Ausschlaggebend sind auch „Verstehen" (der Kunstwerke und Intentionen der Künstler), die Faszination an der totalen Individualität der Künstlerpersönlichkeiten, das Erfassen eines übergeordneten Kontextes und natürlich auch der Dialog und die Konzeption von Ausstellungen gemeinsam mit den Künstlern und Kuratoren. Sammeln formiert sich dadurch aus meiner Sicht zu einem Gesamterlebnis, einem „Gesamtsound“, wenn man so will. Dazu gehört auch die Bereitschaft, Abenteuer zu erleben.“
Heinz Ploner

 

„Wie stehen Sie jetzt zu Ihrer Entscheidung, nachdem Sie den mühevollen Weg eines oder mehrere Institutionen für Ihre Schenkung zu gewinnen gegangen sind?“

 

R.P.: „Ich fühle mich sehr erleichtert, dass die Kunstwerke in derart verantwortungsvolle und professionelle Hände gelangt sind. Ich erinnere mich allerdings auch noch als ich das erste Mal im Depot stand und viele Bilder wieder im Original sah, fühlte ich doch eine gewisse Melancholie, mich von diesen wirklich schönen Werken zu trennen. Die scheinbare Alternative, dass die Werke dann weiterhin im Depot verbleiben würden, machten mir die Entscheidung dann eindeutig leichter.
Es war mir auch ein Anliegen meinem Mann mit dieser Schenkung ein Denkmal zu setzen und seinen Wünschen gerecht zu werden. Auch bedanke ich mich herzlich für die gute Zusammenarbeit und Kooperation mit den drei Direktoren Fr Dr. Agnes Husslein-Arco (Belvedere Wien), Hr. Dir. Peter Pakesch (Joanneum Graz) und Dr. Klaus Albrecht Schröder (Albertina Wien) und freue mich auf die gemeinsamen Projekte in der Zukunft.“

 

 

Regina Ploner mit Erwin Bohatsch, Markus Huemer Klaus Albrecht Schröder ( Albertina), Agnes Husslein-Arco, Peter Pakesch (Joanneum) Hubert Scheibl und Gunter Damisch.

 

 

Press-Media Syndicate int.

Sonja Henkel

 


www.abcpix.net/Story_Verzeichnis/press_mediasyndicat/ploner_schenkung.php