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Energiemarkt: Marktverzerrung wegen Subventionspolitik

Spiegel Online

 

IG Windkraft: Energiemarkt in Schieflage

 

Diskriminierung am heimischen Energiemarkt: Während fossile Energie nachhaltig und zugleich sehr kontinuierlich subventioniert wird, droht den österreichischen Windmüllern ein einsames Sterben. Der freie Energiemarkt mutiert zum Märchen, die Kosten für Ausgleichsenergie und Netze explodieren. Politik und E-Control stehen unter Beschuss.

 

 

Windkraft fordert Ausgleic wegen Marktverzerrung 

 

Wien. Milliardensubventionen für Kernkraft und fossile Energieträger quer durch Europa. Die vergleichsweise ohnehin mickrigen Förderungen für erneuerbare Energie werden durch marktfremde Nebenkosten ad absurdum geführt, die Kosten für Ausgleichsenergie und Netze explodieren. Aktuell  sind in Österreich kolportierte 38,4 Millionen Euro pro Jahr für fossile Stromerzeuger und Wärmekoppler vorgesehen. Die Kosten für Ausgleichsenergie betragen das drei- bis vierfache gegenüber unserem Nachbar Deutschland, die Preisgestaltung ist ein rein österreichisches Problem.   

Die Windkraftbetreiber fühlen sich in die Enge getrieben, es geht um die Diskriminierung heimischer Stromerzeuger. Mehrfach wird der Begriff Marktverzerrung erwähnt, die Betreiber der Windparks stehen unter Kostendruck.

 

Sterben der Windkraftanlagen

 

Leopold Lang, Windkraftbetreiber in Groissenbrunn, gibt sich enttäuscht: „Es ist volkswirtschaftlicher Unsinn, dass voll funktionsfähige Windräder aufgrund mangelhafter Rahmenbedingungen eingestellt werden müssen“. Walter Enzinger, Betreiber einer Windkraftanlage in Gföhl, bedauert, dass Kohle- und Gaskraftwerke subventioniert werden und die an sich günstigere und zugleich umweltfreundliche Windkraft verdrängen. Bereits in ihrer Anfangsphase wurden die Windmüller von den Netzbetreibern darauf hingewiesen, wie gefährlich es ist, Strom zu erzeugen. Die Genehmigungsverfahren am Anfang der Windkraft waren ein Spiessrutenlauf, so der einhellige Tenor der Windkraftpioniere, die sich von der Politik bestraft fühlen. Kritik auch für den Regulator.

Angesichts einer Kostenexplosion von 89 auf über 170 Millionen Euro im Regelenergiemarkt ist ein Marktversagen offensichtlich, wie seitens IG Windkraft zu vernehmen ist. Den Windparkbetreibern droht ein ähnliches Schicksal wie in den 70igern den Betreibern kleiner Wasserkraftwerke.

 

Effizienz sieht anders aus

 

Die Rahmenbedingungen bei laufendem Betrieb zu modifizieren, scheint eine Spezialität der heimischen Politik zu sein. Zu gerne wird unter dem Vorwand einer Adjustierung rückwirkend in die verschiedensten Dinge eingegriffen, man meint es ja nur es gut. Das „monotone Effizienzgebrabbel“, so die höchst interne Bezeichnung der offiziellen Statements, hat bei den Windmüllern sichtlich an Glaubwürdigkeit verloren. Vertragliche Vereinbarungen punkto Laufzeit um ein Drittel runterzuschrauben ist nicht wirklich im Sinne des Erfinders. Die wechselnden Vergütungen vergrämen die Betreiber der Windkraftanlagen und stellen zugleich jede noch so gründliche Kalkulation in Frage, Planbarkeit sieht anders aus.

 

Politik blockiert Energiewende

 

Den Worten der IG Windkraft zufolge handelt es sich um eine rein österreichische Situation. Während Kernkraft und fossile Energie durchwegs gefördert wird, bekommen die Erneuerbaren die Kosten für Netze und alle nur erdenklichen Ausgleichszahlungen zu spüren. Geht es bei der Kernkraft ganz ohne Rückstellungen oder gar Reserven für Notfälle oder Zwischenlager oder Rückbauten ab, so bekommen die Erneuerbaren was die Kosten betrifft jeden nur erdenklichen Zukunftsaspekt aufgebrummt. Die besagten 38,4 Millionen Euro für fossile Energiegewinnung jedenfalls verursachen eine eklatante Wettbewerbsverzerrung, die Brüssel hellhörig machen könnte.  

 

Windkraft fordert Ausgleich

 

Um die Wettbewerbsverzerrung zu kompensieren, gehen die Windmüller in die Offensive: „Das Mass ist voll. Die Bevorzugung der fossilen Stromerzeugung muss endlich aufhören. Wir fordern eine gesetzliche Lösung für Ökostrom-Altanlagen“, so die Worte von Stefan Moidl, IG Windkraft. Jetzt ist E-Control und auch die Politik gefragt, es braucht einen besseren Regelmarkt und ein beherztes Eingreifen, um angebrachte Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Die Kostenverteilung in Bilanzgruppen zu segmentieren ist keine Lösung. Die nachträglichen Kürzungen der Tariflaufzeit sind ebenso inakzeptabel wie die Netzkosten, Netzverlustentgelt und Systemdienstleistungsentgelt verdeutlichen die Kreativität heimischer Netzbetreiber wenn`s um Kohle geht.  

 

Lösungsansätze des Regel- und Ausgleichsenergiemarktes

 

Eine Gesprächsplattform zu Diskussion der Ausgleichsenergieaufwendungen der Ökostrombilanzgruppe wäre ein erster Schritt, ebenso die Weiterentwicklung der Prognosesystematik für die Einspeisung von Windenergie. Die Intraday-Bewirtschaftung der Ökostrombilanzgruppe steht ebenso auf der Wunschliste der Windkraftvertretung wie Berücksichtigung der ganz spezifischen Anforderungen von Ökostromanlagen.

 

Kurzum: Die aktuelle Situation hat mit einem funktionierenden Markt nur wenig gemeinsam, von Wettbewerb kann keine Rede sein. Es fehlt an Nachhaltigkeit.

Marktverzerrung: Ende für die Windkraft?

 

 

 

Text & Fotos: Thomas Winkler

Press-Media Syndicate Int.