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Teure Gasimporte und Netzwerke

Spiegel Online

Perspektiven der Energieversorgung

in Zentral- und Westeuropa

 

Unterschiedliche Szenarien für die Zukunft der europäischen Energieversorgung beschäftigen Politik und Experten. Energieimporte bedeuten Abhängigkeit und belasten das Budget. Polen hat es mit einer Umstrukturierung des nationalen Energiemarkts geschafft, diese zu reduzieren. Doch wie sieht es in anderen Mitgliedstaaten der EU aus?

 

 

Das Thema Energieversorgung ist angesichts der Krise in der Ukraine aktueller denn je. Die latente Abhängigkeit von Gasimporten in Verbindung mit den politischen Eskapaden Russlands drückt auf die Stimmung. Polens Botschafter in Österreich, H.E. Artur Lorkowski, erklärt anlässlich der  Expertentagung zur Energieversorgung Europas wie sein Land die Abhängigkeit überwunden hat. Strukturelle Änderungen in der Energiepolitik, basierend auf einem integrierten Gasmarkt, haben die Karten neu gemischt. Die Gasbörse Warschau als Mittelpunkt des Geschehens bietet gänzlich neue Perspektiven für einen ausgewogenen und zugleich stabilen Markt. Es gilt, bestehende Abkommen und Vereinbarungen konsequent zu realisieren und dem Prinzip der Nachhaltigkeit Folge zu leisten. Es geht um Unabhängigkeit. Was die Ukraine betrifft, so werden neue Signale erwartet. Nur ein integrierter Binnenmarkt bedeutet Wettbewerbsfähigkeit, welche wiederum den Verbrauchern in Form einer sozial verträglichen Preisgestaltung für Energie zugute kommt.

Tragfähige Netzwerke stärken Versorgung

 

Die Reduktion von Treibhausgasen ist nur eine Komponente der Energiewende. Es geht um Versorgungssicherheit, gerade auch angesichts des nach wie vor steigenden Energieverbrauchs quer durch Europa. Es geht um langfristige Ziele und Visionen, da die Investitionen von heute das Szenario der Energieversorgung über Jahrzehnte hinweg prägen. Die enormen Kosten verlangen Planbarkeit und stabile Marktverhältnisse, um nebst leistbaren Energiepreisen für Konsumenten auch den Ansprüchen der Investoren Folge zu leisten. Die Energiewende jedenfalls scheint die passende Antwort auf die Allüren des Zarenreichs zu geben. Der Wechsel von Gas zu Strom ist komplex, wodurch die Versorgung auf mehrere Pfeiler verteilt werden muss, zumal die Krise in der Ukraine noch lange nicht vorbei sein dürfte.   

Erkennbare Interessenskonflikte in EU

 

Wettbewerb, Marktanteile und Gewinn gegen Effizienz und Einsparungen am Energiesektor. Günter Bramböck, EVN, bringt es auf den Punkt: Die Interessenskonflikte sind unübersehbar, dazu kommen Missregierungen in verschiedenen Ländern. Kohle mutiert zusehends als Backbone für Erneuerbare Energie, nicht zuletzt aufgrund der Kostenentwicklung. Ganz so einfach, wie es die EU darstellt, ist die erforderliche Energiewende keineswegs. Die steigenden Energiekosten sind, so Bramböck, ein Gigachallenge für Haushalte. Das erklärt die durchwegs zögerliche Haltung der armen Länder bei der Energiewende. In Krisenzeiten kommt es zusehends zu Energiearmut, von der Osteuropa besonders stark betroffen ist. Hat Brüssel die sozialen Aspekte der Energiewende und das Eigeninteresse verschiedener Monopolisten vergessen? Energie ist ein lukratives Geschäft!

 

Energiegemeinschaft: Optimierungsaufgaben

 

Der Osten gilt als schlechter Verlierer, die Rosinenpickerei der EU sei mit erheblichen Risiken verbunden, so die Experten. Prof. Andrey Konoplyanik, Gazprom-Berater, mahnt aufgrund der komplexen Umstände zu Sensibilität in den weiteren Verhandlungen. Langfristig sei, so Prof. Konoplyanik weiter, ein globaler Energiemarkt nicht zu verhindern. Und das, obwohl der Europäische Energiebinnenmarkt bislang lediglich in rein theoretischer Form erkennbar ist und die technischen Erfordernisse für einen globalen Markt noch gar nicht verfügbar sind.  

Rein zufällig übrigens wurde auf der Energiekonferenz zudem bekannt, dass Polen im Bereich Schiefergas sprich Fracking eine natürlich rein theoretische Ausweichmöglichkeit gesetzlich verankert hat, wie aus diplomatischen Kreisen zu vernehmen ist.

 

Text und Bild: Thomas Winkler

Press-Media Syndicate int.