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Windkraft nicht zu stoppen !

Spiegel Online

 

 Windkraft nicht zu stoppen!

 

2030: Windkraft könnte 25% des Strombedarfs

in Österreich decken – wenn Rahmenbedingungen passen

 

Wien. Österreich liegt gut im Rennen. Zumindest im Bereich der erneuerbaren Energie. Bis 2015 ist ein Anteil von 15% realisierbar, die Vorgaben werden vermutlich übertroffen.  Speziell Windkraft ist gut etabliert, 3,6 Milliarden kw pro Jahr Maximalleistung sind ein beachtlicher Wert. 2014 dürfte überhaupt ein Jahr der Superlative werden, zu den bestehenden 870 Anlagen (2013) kommen 167 neue Anlagen dazu. Das entspricht einem Zuwachs von der Leistung des Kraftwerks Freudenau. Österreich könnte bereits 2030 den gesamten Stromverbrauch aus erneuerbaren Energieträgern erzeugen, so Stefan Moidl, IG Windkraft.

Studie beweist enormes Potenzial

Die gemeinsam mit der IG Windkraft präsentierte Studie des Vereins Energiewerkstatt zeigt das realisierbare Windpotenzial auf. Demzufolge kann der Anteil der Windenergie bis 2030 auf ein Viertel des Stromverbrauchs gesteigert werden. Ziel der vom Klima- und Energiefonds und der IG Windkraft in Auftrag gegebenen Analyse war es, die technische, wirtschaftliche und gesellschaftspolitische Entwicklung der Windkraftnutzung der kommenden 15 Jahre in Österreich abzubilden, so Theresia Vogel, GF Klima- und Energiefonds. Dabei geht die Studie von einer Verdopplung der Windstromproduktion aus. Die Modellierung des Potenzials berücksichtigt komplexe Parameter wie Raumordnung, Topographie und Realisierbarkeit der aktuellen Planungen, wobei selbst Zielformulierungen der Bundesländer integriert werden, um dem theoretischen Szenario die erforderliche praktische Komponente zu geben. Theodor Zittner, bmvit, setzt ganz auf Innovation. Bereits 2020 könnten 13,5 des heimischen Bedarfs mit Windkraft gedeckt werden.

Windatlas als Meilenstein der Energieversorgung

Das Potenzial muss erschossen werden, die Umsetzung der Konzepte ist von enormer Wichtigkeit, so Vogel. Optimismus ist erkennbar, zumal gerade der Innovationsbereich den Wirtschaftsstandort stärkt und enorme Chancen bietet. Power 2 Gas, Effizienz und Smart Grids bieten enorme Chancen, der Windatlas setzt einen neuen Meilenstein. In Österreich sind es 160 Zulieferer rund um Windenergie, die auch für den Weltmarkt von Bedeutung sind, die Exporte reichen bis China, die Wertschöpfung darf nicht unterbewertet werden. Dennoch – Forschungsmittel und Programm müssen gestärkt werden, um das vorhanden Potenzial konsequent zu realisieren. Windräder werden zusehends leiser und effizienter, für 2030 ist grosses Prepowering geplant: Alte Anlagen werden durch neue, leistungsfähigere Anlagen ersetzt.

Viel Wind um überlastet Netze

Der unübersehbare Optimismus der Windmüller wird gerade mal von den nicht unbedingt geeigneten Rahmenbedingungen getrübt. Zwischen dem bereits latenten Gezänke wegen der überlasteten Netze kommt die Sprache immer häufiger auf unglücklich implementierte Subventionen. Kohleverbrennung ist steuerbefreit, das macht 100 Millionen Euro, Quersubventionen verzerren den Markt. Moidl drängt auf eine Neuregelung, um die omnipräsente Marktverzerrung zu korrigieren. Windkraft, so Moidl, ist unter Berücksichtigung aller Komponenten der kostengünstigste Energieträger. Es braucht einen umfassenden Dialog, um ein tragfähiges Framework zu schaffen, wobei die Landesebene als Wegbereiter für ein windkraftfreundliches Klima gilt. Das Burgenland hat Vorbildfunktion, was Stromautarkie betrifft.

Stromimporte enorm gestiegen

Was Europa betrifft, die EU braucht neue Ansätze und Perspektiven. Energieversorgung ist nicht zuletzt eine ausgesprochen Kostenfrage, das fossil-atomare Energiesystem hat, so Moidl, ausgedient. Österreich ist auf Kurs, jedoch nicht unbedingt im Spitzenfeld. Dänemark mit 30% Windenergie zeigt, wie es geht. Der bilanziell ausgelagerte Atomstrom ist gerade mal geeignet, einen schrägen Eindruck zu hinterlassen, wenn alles eingerechnet wird, kippt jede noch so schöne Kalkulation. Die Stromimporte schaffen eine bedrohliche Abhängigkeit, es braucht generelles Umdenken. Das betrifft das gesamte System, von Netzen bis hin zu neuen Speichermöglichkeiten. Kernkraft jedenfalls passt so gar nicht ins Konzept, wie überhaupt reichlich unsinnige Lösungsansätze erkennbar sind. Die aktuelle Vergebührung jedenfalls macht Kopfweh, die Lobby der „Fossilanten“ blockiert die Energiewende. Zu viele Anbieter, undurchsichtige Subventionen und starrköpfige Netzbetreiber sind schlechte Voraussetzungen für neue Wege, das Framework gilt als hausgemachtes Desaster: Österreich hat, so Moidl, die schlechtesten Vermarktungsbedingungen für Windkraft in der ganzen EU. Wettbewerb ist eine rein theoretische Angelegenheit.  



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Bild & Text: Thomas Winkler