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Kinder ohne Väter

Spiegel Online

KINDER OHNE VÄTER

Podiumsdiskussion der Bürgerinitiative Kinderrechte im Weltmuseum

 

Die Bürgerinitiative Kinderrechte unter der Leitung von Dr. Angelika Schlager und Prof. Dr. Johann Missliwetz und Gerd Männl, setzt sich für die Bedürfnisse von Kindern ein, wobei längst überfällige Reformen des Familienrechts und Jugendwohlfahrtsträgers gefordert werden. Der Zweck ist, das Wohl der Kinder bundes- und europaweit zu fördern und zu schützen, um ihnen eine hoffnungsvolle Zukunft zu sichern. Die Bürgerinitiative sieht sich als Solidaritätspartner zu gleichgesinnten Vereinen, Sprachrohr und Schnittstelle, um gemeinsam mit dem Staat ein neues Bewusstsein zu schaffen.

 

Kinder ohne Väter - Podiumsdiskussion

 

Starke Unterstützung erfährt die Bürgerinitiative Kinderrechte vom renommierten Gerichtsmediziner und Autor des „Schwarzbuches Familienrecht“ Univ. Prof. Dr. Johann Missliwetz, der bei jener Veranstaltung im Podium saß. Auch wurde von ihm eine Petition verfasst.

„Mehr fremduntergebrachte Kinder als Strafgefangene -  Anstieg der Kinderarmut - ein Drittel der Väter nach einer Trennung, die ihre Kinder nie mehr wiedersehen (dürfen) - eine selbstherrliche, insuffiziente Jugendwohlfahrt ohne Transparenz und Augenmaß“. Das sind die Eckpunkte der 800-seitigen Analyse, die er mit der Bürgerinitiative Kinderrechte  letzte Woche ins Parlament eingebracht hat. Die Verfasser erhoffen einen Denkanstoß für die gesetzgebende Versammlung, bleiben aber realistisch. "Politiker schweigen gerne alles tot, was ihnen unangenehm ist, sie ignorieren, was skandalös ist. So wie sie den Skandal und den Missbrauch in den österreichischen Kinderheimen früher ignoriert haben" – führt Missliwetz aus. Ob es tatsächlich so läuft - mit dem Ignorieren - muss sich erst zeigen, zumal die Petition/Analyse nicht nur an das Hohe Haus, sondern auch an etliche Medien und bedeutende Persönlichkeiten übersandt wurde.

 

Des Weiteren saßen Claudia Aschenbrenner, als eine Betroffene „Tochter ohne Vater“ und Rechtsanwalt Dr. Alexander Krasser im Podium. Moderiert wurde sehr gekonnt vom stellv .Chefredakteur der Zeitung GEWINN, Dr. Hannes Berger, der die Diskutanten immer wieder „auf den Punkt“ brachte.

 

Aschenbrenner schildert sich als Betroffene und ewig Suchende, in jedem Lebensabschnitt. Die Mutter war überfordert und schickte sie ins Internat. Als Rebellion dagegen weigerte sie sich 1 Woche lang zu sprechen und konnte auch nicht dazu bewogen werden, da ihr jeglicher Autoritätsbegriff fehlte.

Auf die Frage nach verschiedenen Erziehungsmethoden vom Moderator, der darauf hinwies, dass Erziehungsmethoden nicht in Rollen fixiert sind und Mütter nicht automatisch „weicher“ als die Väterreagieren würden, konterte sie mit:“ Kein Vater da, daher kein Erfahrungswert!“ Auch die Tochter von Claudia Aschenbrenner wächst ohne Vater auf, da dieser die Verantwortung nicht wollte, was zu großen Problemen in der Mutter-Tochter-Beziehung führt. Sie berichtete auch über ihre eigene Problematik mit ihrem Stiefvater, der von ihr nicht als „voll“ genommen wurde, und dem sie sich heftig widersetzte.  Aschenbrenner resümierte, dass ein Kind beide Eltern braucht, ein regelmäßiger Kontakt muss da sein. Eltern sollten im Sinne des Kindes entscheiden, eine Möglichkeit sind die Besuchsbegleitungen

 

 

Damit hat sich auch der Grazer Rechtsanwalt Dr. Krasser auseinandergesetzt. Er initialisierte die Einrichtung des „Besuchscafes“ für Scheidungskinder und pointiert die Ausgewogenheit zwischen Vater und Mutter für Kinder, für die Auslotung der Grenzen, Jugendwohlfahrt gehe auf diese Problematik nicht ein, sie fördert nicht das Wohl der Kinder. Kinder werden im Aufteilungsverfahren bei Scheidungen als Waffen missbraucht und gegenseitig eingesetzt. Das Besuchscafe soll der Entspannung dienen. Es handle sich um ein Gemeinschaftsprojekt mit Mediationskollegen aus Kernberufen, die für eine Besuchssituation zur Seite gestellt werden. Dr. Krasser geht auch hart mit dem neuen Familienministerium ins Gericht. Familien werden immer mehr entfremdet, Kinder werden mehr und  mehr zur Ware degradiert, andere Werte gehören aufgebaut. Genauso wird das System Jugendwohlfahrt von ihm gegeißelt. Das Kind wird sofort von der Familie abgenommen, das Zurückkehren der Kinder braucht Monate, das tut den Kindern nicht gut. Er fordert Kooperationen, dazu sollte die Jugendwohlfahrt zählen, wende man sich jedoch hilfesuchend an diese, wird man vor Tatsachen gestellt, die exakt in die andere Richtung gehen. Für den engagierten  Rechtanwalt gilt es die IST Situation zu bedenken:“ wir haben eine gewisse Entwicklung zugelassen. Ich lehne es ab, Kinder mit Verantwortungen und Entscheidungen zu überfordern, das liegt bei den Erwachsenen. Es gibt keine Rezeptur, es gibt nur ein gemeinsames mühsames Erarbeiten. Die offiziellen Stellen sollen endlich die Gleichwertigkeit akzeptieren, die Jugendwohlfahrt erzeugt eigene Gesetze. Unter welche Aufsicht kann man sie stellen, dass die tatsachlichen Personen im Kampf für die Rechte der Kinder als gleichwertig wahrgenommen werden“?

Kinderrechte sind trotz Verfassungsrangs immer noch nicht einfachgesetzlich umgesetzt, sie finden lediglich Beachtung. Daher müssen die Kinderrechte von dem Jugendwohlfahrtsträger und den zu errichtenden Kinderschutz-Kompetenzzentren eingehalten und beachtet werden.

Willkürliche Fremdunterbringungen ohne wirksame Beschwerdemöglichkeiten bedeuten Menschenrechtsverletzung und psychische Folter!

 

Dr. Missliwetz vergleicht die seinerzeitige, durch den Krieg bedingte vaterlose Gesellschaft mit der gegenwärtigen. Es gibt heute 19000 alleinerziehende Väter zu 170.000 alleinerziehenden Müttern.  Väter (Männer) haben an Autorität verloren. PAS steht als Abkürzung für „Parental Alienation Syndrom“, das elterliche Entfremdungssyndrom und beschreibt die enormen psychischen Folgen der Eltern-Kind-Entfremdung. Es ist heute leider grausame Realität für tausende Kinder, jeden Tag. Seine mildeste Form äußert sich in der geringen Wertschätzung des Partners gegenüber dem Kind. Die mittlere Form beinhaltet aktive Beeinflussung des Kindes gegen den Ex Partner. Im schlimmsten Fall wird ein regelrechtes Feindbild einhergehend mit Kontaktverbot, suggeriert. Der Verlust eines Elternteils hat erschreckende Auswirkungen auf Kinder. Besonders gravierend sind jedoch die Folgen einer bewusst herbeigeführten Entfremdung des Kindes. Ein Kind wird dabei durch Beeinflussung gezwungen, die Liebe zu einem Elternteil zu “verlernen”. Das Kind sieht sich einer Situation ausgeliefert, wo es bereits einen Elternteil verloren hat, und nun fürchten muss auch den verbleibenden Elternteil zu verlieren, wenn es nicht dessen Ablehnung des anderen Elternteils übernimmt. „Ein wesentliches Recht des Kindes liegt im Umgangs und Kontaktrecht mit beiden Eltern. Das impliziert eine menschenwürdige Neuregelung des Familienrechtes, genau dafür setzen wir uns ein“, meint Dr. Missliwetz.

 

Kinder ohne Väter - Podiumsdiskussion

 

Das Publikum setzte sich zum Großteil aus Betroffenen zusammen und es kam zu berührenden und emotional aufwühlenden Statements, wie dem einer Mutter, die ihr Kind verloren hatte, schwer traumatisiert in die Psychiatrie eingewiesen wurde und meinte dass die Kontaktvereitelung zu Kindern, egal ob man die Obsorge hätte oder nicht, eine Menschenrechtsverletzung darstelle.

 

Zentraler Angriffspunkt war die Jugendwohlfahrt und man fragte sich, warum kein Vertreter daraus anwesend war.  Der Tenor war, dass die Jugendwohlfahrt sich verselbstständigt hat und nicht mehr den Dialog sucht, sondern autoritär vorgibt, was zu geschehen hat.

 Das führte zur Forderung einer Komplettreform der Jugendwohlfahrt (gesetzlicher Wirkungsbereich, Aufgabenstellung, Transparenz, Nachvollziehbarkeit, Effizienz). In Österreich hat die Jugendwohlfahrt Monopolstellung über Kinderschicksale und deren Eltern bzw. Bezugspersonen und alle sind dieser Willkür ausgeliefert. Das System ist insuffizient. Kinderschicksale werden bisher von einzelnen Diplomsozialarbeiterinnen bestimmt, die weder über medizinische, kinderpsychologische, juristische noch über forensische Ausbildung verfügen. Jeder "Fall" wird solitär behandelt, es wird weder das "gelindeste Mittel" angewandt noch werden Beweise oder Fakten gesehen - es wird in jeder Richtung überschießend agiert. Die Arbeit der Jugendwohlfahrt ist wichtig und sinnvoll im Bereich der Familienbegleitung und Familienhilfe. Zu erarbeiten ist hier auch Kompetenz im Bereich der Mediation zwischen den Kindeseltern, die in jedem Falle neutral sein muss und der Verständigung der Eltern dienlich ist, sodass den Kindern beide Elternfamilien erhalten bleiben können.

Es muss sich erst ein konkreter Verdacht auf Kindesmissbrauch oder Kindesmisshandlung ergeben, dann darf gehandelt werden! Sozialarbeiter handeln oft übereilt. Es wird nicht geprüft. Ihre Ausbildung ist eine pädagogische. Kinder, die somit grundlos aus ihren Familien gerissen werden, werden durch Kontaktabbrüche lebenslänglich traumatisiert, ebenso ihre Bezugspersonen. Traumatisierung durch Kontaktabbruch oder Entfremdung ist schwerste psychische Kindesmisshandlung. In anderen "Fällen" werden grobe Misshandlungen und lebensbedrohliche Situationen nicht erkannt, Kinder sterben hilflos und alleingelassen. (Fall Luca, Cain ua.)

 

Auch stellt sich die Fremdunterbringung von Kindern als Wirtschaftsfaktor heraus – damit wird viel Geld verdient. Jemand der um sein Kind kämpft wird ausgehungert, indem man ihm Zuwendungen sperrt. Ideal dazu wäre das Errichten von Kinderschutz-Kompetenzzentren mit einem Pool aus Fachleuten aus den Gebieten der Medizin, Psychologie, Gerichtsmedizin, Rechtswissenschaften, die eine sofortige Gefährdungsabklärung nach § 215 ABGB abklären können. Somit sollen Einzelentscheidungen von einzelnen Sozialarbeiterinnen aus der Jugendwohlfahrt nicht mehr möglich gemacht werden. Dringlich ist auch die Forderung nach Amtshaftung und Schadenersatz bei Zuwiderhandlungen und willkürlicher Kindesabnahme und/ oder Verweigerung einer Unterstützung. Trotz positiver Gutachten und Rückführung der Kinder in Familien gibt es keine Möglichkeiten, die entstandenen Kosten zurückzubekommen.

 

Gibt es heute überhaupt  noch eine ideale funktionierende Familie. Auch früher war man in der Familie nicht immer glücklich, aber die Strukturen waren gefestigter, die Ansprüche haben sich im Laufe der Zeit verändert, heute bezahlen wir den Preis der Freiheit. Wir leben in einer Wegwerfgesellschaft auch gegenüber den Kindern. Ganz oben steht die berufliche Wertschöpfungskette, via Medien wird ein Erwartungsbild an die eigene Zukunft herangetragen, ohne zu hinterfragen ohne vernünftige Abwägung. Kinder rebellieren dagegen, fühlen sich nicht verstanden und nicht gewollt. Sie erhalten den Eindruck, dass die Gesellschaft in die sie hineingeboren wurden, keinen Platz für sie hat.

 

Die emotionale Publikumsdiskussion spannte den Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Unterschiedliche Gruppen haben zu unterschiedlichen Zeiten in Sklaverei gelebt, erst Sklaven, dann Frauen, dann Homosexuelle und dann Kinder. Heute gilt die Unfreiheit nur mehr für Kinder. Kinder brauchen im Fall von Trennungen der Eltern mehr Entscheidungsrecht. Es kam auch der Hinweis auf Belgien wo todkranke Kinder die Entscheidung zu sterben treffen können.

 

Zahlreiche Schritte zur Verbesserung der ziemlich verfahrenen Situation wurden bereits eingebracht, und weitere Verbessrungsmöglichkeiten werden  an vielen Fronten von vielen Menschen diskutiert.

Grund legend sollte man sich jedoch eines vor Augen führen: Artikel 1 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, wie sie schon von Eleanor Roosevelt formulier, niedergeschrieben und verabschiedet wurde, und der heute noch ebenso gültig ist, wie zur Zeit seiner Formulierung:

 

„Wir betrachten alle Menschen als frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geist der Brüderlichkeit begegnen“

 

Kinder stellen keine eigene oder andere Spezies im Menschengeschlecht dar, daher sind sie mit der gleichen Würde und den ihnen zukommendem Respekt zu behandeln. Sie sind weder Gemeinschaftsgüter, noch juristische Akten, die in einem endlosen Strom bürokratischer Verwaltung hin und her geschoben werden. Die Entscheidungen eines Kindes sollten daher respektiert und ihnen Sorge getragen werden. Üblicherweise sind sowohl Urteilskraft, als auch Entscheidungsvermögen eines Kindes wesentlich besser ausgeprägt, als bei sämtlichen Erwachsenen in seinem Umfeld. Kinder erfassen Situationen meist sehr schnell und kommen ebenso schnell und direkt zu Lösungen. Und sie wissen sehr genau was sie wollen und was sie nicht wollen. Und es ist ihr Recht, diese Entscheidungen in einen Prozess einzubringen und darauf zu pochen, dass diese auch gleichwertig behandelt werden.

 

The Reporter

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Quelle: Bürgerinitiative Kinderrechte kind24.co.at