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Conchita Wurst

Spiegel Online

 

Conchita Wurst

 

„Europa ist für mich ein einst zerstrittener Kontinent, der nunmehr durch friedliche, kulturelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Zusammenarbeit ein vielfältiger und schöner Ort ist.“ ( Conchita Wurst )

 

Conchita Wurst & Benedikt Weingartner im Haus der EU 

 

Conchita Wurst im Haus der EU. Die Sensation ist perfekt. Tosender Applaus für den Superstar der etwas anderen Art. Tun wir, als ob nichts wär, falls eine Panne mit der Bluse passiert. Conchita beliebt zu scherzen. Im Gespräch mit Benedikt Weingartner parliert Conchita über ihre Visionen und Ziele. Ja, der Song Contest hat ihr Leben nachhaltig verändert. Reisefreiheit, Toleranz und Zusammengehörigkeit. Die Wertediskussion findet einfach kein Ende. Schöne Worte zieren die sehr ideologischen Präambel, doch der Kontinent ist spürbar gespalten: Das Thema Flüchtlinge gibt zu denken, wie auch viele andere Punkte auf eine Lösung warten.

Conchita Wurst: Respekt. Tu niemand weh!

 

Respekt. Tu niemand weh!

 

Der Tom … redet nicht viel. Anders Conchita. Während der eine erst gar nicht gekommen wäre, geniesst Conchita den Auftritt. Viele Ziele und zwei Punkte prägen ihren Alltag: Verletze niemand und zeige Respekt. Wenn`s eng wird, diese Checkliste reicht um durchs Leben zu kommen. Konzentration auf das Positive ist eine löbliche Einstellung, gerade in Tagen wie diesen. Der Song-Contest hat das Leben des Stars verändert, das Motto mit der prägnanten Checkliste ist geblieben. 10 Jahre Show-Biz prägen und haben den Style verändert. Träume und Visionen haben beste Chancen realisiert zu werden. Das war nicht immer so. Die Revolution der Drag-Queen findet statt. Die Fans applaudieren!

 

Conchita Wurst: Mehr Toleranz in Österreich - seit dem Song Contest 

 

Österreich wird tolerant

 

Seit dem Sieg beim Contest hat sich vieles verändert. Die Alpenrepublik übt sich in Toleranz, so der Star. Der Hype um Conchita Wurst nimmt kein Ende, die Ikone hat viele Hände zu schütteln. Als Galionsfigur möchte sie jedoch nicht gelten, das wäre übertrieben, auch wenn eine gewisse Instrumentalisierung erkennbar ist. Bescheidenheit ist eine Tugend. Und während Conchita fröhlich aus dem Nähkästchen plaudert, bleibt der Tom in ihr ganz bodenständig. Er redet nicht gern. Die ausgeprägte emotionale Intelligenz macht Conchita zu einer sympathischen Erscheinung, doch der Weg zum Superstar war ein weiter. Es fällt der Terminus „Erwachsen werden“. Du musst höflich sein. Sonst gibt`s keine Palatschinken. Conchita lacht.

 

Conchita Wurst über Werte, Visionen und Tabus 

 

…. und immer etwas anders …

 

Eine schillernde Kunstfigur geht ihren Weg. Doch einfach war es nicht. Aufgrund der sexuellen Ausrichtung gab es reichlich Unverständnis, es war eine schwierige Zeit. Die Gesellschaft macht Fehler, nicht Conchita. Der moralische Erdrutsch hat Österreich nicht verschont, es geht bergauf. Unbehagen kommt auf, als der Star an die Zeit in der Ukraine denkt. 24 Stunden bewacht sein ist anstrengend, der ideologische Gegenwind verursacht Kopfweh. Russland lästert bald eine Stunde darüber, dass Conchita schuld ist am Untergang Europas. Wooow. Mit soviel Aufmerksamkeit hat der Star niemals gerechnet. Ein herzliches Dankeschön nach Russland. Kreative Konzepte sind selten.

 

Conchita Wurst & Benedikt Weingartner im Dialog über Europa 

 

Fanatismus: Eine enorme Gefahr

 

Das Flüchtlingscamp neben dem Kindergarten verursacht Kopfweh. Verständlich, angesichts der vielen Vorurteile. Hautfarbe, Religion und Sexualität sind ganz persönliche Dinge, es zählen die Werte. Und Menschlichkeit. Auch für einen  Superstar, der ganz ohne Allüren auskommt. Und sich königlich darüber amüsiert, dass alle Welt verunsichert ist, wie man es mit der Anrede halten soll. Conchita ist ihr am liebsten. Der Rest ist egal. Und das wiederum erklärt den Namen. Wurst. Weil es wirklich „Wurst“ ist. Wie man aussieht. Welche Religion man hat. Und welche Sexualität. Es ist einfach Wurst. Der Bart entstand aus Faulheit. Es reicht, sich vor jedem Auftritt ein nettes Gesicht zu malen. Autsch. Die bärtige Diva weiss, was das Publikum will. Der Spass auf der Damentoilette ist sichtlich nicht zu toppen. Konsequenz macht sich bezahlt. Die Kunstfigur aus der Retorte lacht. Das Publikum tobt!

 

Conchita Wurst ... über Ampelmännchen und die Gay-Szene

 

Ampelmännchen und Gay-Community

 

Toleranz ist eine feine Sache. Conchita schwärmt von Paraden, Fussball und Gleichberechtigung. Ihre Liebe zum Feinstofflichen kommt auch zur Sprache, die Faszination anderer Energien und Dimensionen ist nicht zu übersehen. Das Konzept der katholischen Kirche macht Bauchweh, doch mit einem weissen Kleidchen und den Ministranten – ja, das wäre fein. Auffällig auch die Freude an Weihnachten. Der Anblick des Weihnachtsmannes verursacht Kribbeln im Bauch, ab Mitte Oktober sind Christmas Carols angesagt. Erlaubt ist was gefällt. Nur mit der Gier nach Macht kann sie nichts anfangen. 

Conchita ist herzerfrischend anders. Und das ist gut so.

 

Press-Media Syndicate

Text: Thomas Winkler

Fotos: © Moni Fellner