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Cornelius Obonya

Spiegel Online

Cornelius Obonya

Europa … Chance, in Frieden zu leben

 

„Europa ist für mich eine einzigartige Chance in Frieden zu leben. Als Künstler, als Mensch, als Bürger einer hoffentlich prosperierenden, freien, krieglosen Gesellschaft“.

 

Obonya - Weingartner im Haus der EU 

 

Friede ist unglaublicher Luxus. Mit diesen sehr schlichten Worten beginnt „Jedermann“ Cornelius Obonya das Gespräch mit Bendikt Weingartner. Der bekennende und zugleich begeisterte Europäer kann sich ein Leben ohne EU kaum vorstellen. Friede als Endprodukt des Gedankens der EU ist wohl eine der grossartigsten Errungenschaften unserer Zeit, ein Meilenstein in der Geschichte der Menschheit. Und ohne zu zögern plädiert der charismatische Schauspieler dafür, Wahlen ernst zu nehmen und keine Gelegenheit der Stimmabgabe auszulassen. Demokratie braucht Verantwortung und will dabei aktiv gelebt werden, sonst klappt es nicht.

 

Cornelius Obonya 

 

Bildung als unersetzbares Kapital

 

Ein solides Elternhaus ist eine gute Voraussetzung für die Zukunft. Bildung und natürlich auch Kultur als relevante gesellschaftliche Werte eröffnen weitreichende Perspektiven und Chancen und zugleich das erforderliche Verständnis für komplexe Zusammenhänge. Obonya gibt zu bedenken, dass der Alltag in vielen Familien zu oft von purem Leistungsdruck geprägt ist, zwei Jobs sind keine Seltenheit angesichts der enormen finanziellen Belastungen. Da darf es denn auch nicht verwundern, dass für das Friedensprojekt EU wenig Verständnis erkennbar ist. Die „Verordnungen aus Brüssel“ als  Synonym für die schier unüberwindbare Distanz schrecken den Normalverbraucher, dessen Denken vielfach mit den Bezirksgrenzen, vereinzelt auch den Landesgrenzen endet. Doch Nationalismen rächen sich, die aktuelle Finanzkrise muss als reelle Chance zu realer Einigkeit gewertet und genutzt werden. Es geht um die Schuld der Verursacher, der Fall Hypo als wenig rühmliches Beispiel für das gar bunte Treiben der Banker darf sich nicht wiederholen. Banken, die auch noch den letzten Grashalm vernichten sind das grösste Übel der Union, da kommen nicht mal die Politkapriolen einzelner Akteure mit. Obonya bringt es unverblümt am Punkt. 

 

Cornelius Obonya 

 

Moloch Brüssel: Barrierefrei!

 

Friede, Freiheit, sozialer Wohlstand. Die Werte müssen erhalten werden. Förderungen für Regionen geraten bald in Vergessenheit, bei echten Werten jedoch sieht es anders aus. Dankbarkeit ist angebracht und es gibt nur einen gangbaren Weg, pro EU ist der Schlüssel in eine friedliche Zukunft. Dabei setzt der Künstler gezielt auf Kommunikation. Der Dialog muss kultiviert werden, es braucht Toleranz und Verständnis, um die Errungenschaften der offenen Grenzen zum Vorteil aller zu nutzen. Politische Sprechblasen jedenfalls sind zu wenig, um Einigkeit zu erzielen, von echter Solidarität sind wir sichtlich noch meilenweit entfernt. Es ist jedenfalls ein guter Moment, mit Bewusstseinsbildung zu beginnen und die zitierten Werte deutlich sichtbar in den Alltag zu integrieren.

 

Cornelius Obonya

 

Kritik für Ost-Politik

 

Erobert, verkauft, und ein klein wenig verraten. So jedenfalls findet Obonya die Ostpolitik des zivilisierten Westens, die vielen arroganten Haltungen der Vergangenheit sind noch lange nicht vergessen. Die EU bietet der jungen Generation neue Perspektiven und Möglichkeiten der persönlichen Entfaltung, nur mit den Vorurteilen ist es so eine Sache, speziell gegenüber Ausländern.  Obonya bringt an dieser Stelle H.C. Strache ins Spiel, der solche Wunden stets zu seinem Vorteil zu nutzen versteht.

 

Cornelius Obonya


Wählen. Nicht wählen. Unwählbar!

 

Europa bewegt sich. Es sind Veränderungen im Zusammenspiel der Kräfte erkennbar, der Wert der Stimme steigt. Zwar wird der Begriff Fortschritt nicht unmittelbar ausgedrückt, doch die politisch gesteuerte Informationskette zeigt Wirkung. Die Depression der 30er ist überwunden, Diskussionen über Gurkenkrümmung und Bananen erhitzen die Gemüter. Die Öffnung auf mentaler Ebene hat eingesetzt, es wird spannend. Besorgniserregend jedoch ist das Wahlverhalten der Bevölkerung: Der mittlerweile nahezu latente Rechtsdrang entspricht den Vorstellungen Obonyas, so zumindest ist es dessen Mimik zu entnehmen, nur sehr bedingt. Es gibt Themen, über die offen gesprochen werden muss. Die aufkommende Stärke des rechten Flügels jedenfalls ist sichtlich nur darauf zurück zu führen, dass die Mehrheit der Wahlberechtigten vom konservativen Traditionalismus genug hat, mit Sonntagsrhetorik ist kein Hof zu machen.

 

Kann Kunst die Welt verbessern?

 

Normalität bestimmt den Alltag. Unscheinbare Kleinigkeiten jedoch gewinnen unheimlich an Bedeutung, wenn sie gekonnt in Szene gesetzt werden. Aktuelle Themen, gesellschaftsverträglich interpretiert, eröffnen vielfach neue Perspektiven. Als Künstler die Welt verbessern geht nicht, es reicht gerade mal für neue Impulse. Eine gemeinsame europäische Kulturidentität scheint kaum realisierbar zu sein, Klischees sind nicht immer vorteilhaft. Vielfalt jedenfalls macht die Kultur zu einer spannenden Angelegenheit, es braucht Austausch, Toleranz und Kommunikation, wobei unterhaltsame Elementen eine besondere Rolle einnehmen. Freies Denken ist als Errungenschaft der Neuzeit zu werten, Obonya erinnert sich an seine Zeit in Berlin. Wo heute Frau Merkel um die Ecke biegt, war früher ein Mienenfeld, jetzt wird Politik gemacht.  Falsche Schulterklopfer gibt es da und dort, es lebe die Fantasie. Ob „Jedermann“ ein guter Europäer ist? – Das Stück jedenfalls ist besser als sein Ruf, so Obonya. Doch wer schreibt mal über die EU, in künstlerischem Sinn? Über das Zusammenwachsen von Schweden und der Slowakei zu schreiben kommt nicht sexy rüber, so Obonya. In die Politik zu gehen ist für ihn nur bedingt vorstellbar, da müsste er erst die Schauspielerei an den Nagel hängen, es geht schliesslich um Glaubwürdigkeit. Und einmal mehr bemängelt der Künstler die mangelnde Offenheit der Akteure, Politikverdrossenheit führt zu Demokratieverlust. Mit Wahrheit funktioniert es, davon ist Obonya überzeugt, er vermisst die angebrachte Ehrlichkeit.

 

Text & Fotos: Thomas Winkler

Press-Media Syndicate