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Erika Pluhar

Spiegel Online


Erika Pluhar

 

„Europa – für mich erfühlbar zwischen Lissabon und Istanbul – beheimatet mich. Ich bin Europäerin aus Überzeugung. Die Europäische Union habe ich von Anfang an begrüsst. Nicht umsonst sind es gerade die rechtsradikalen Kräfte mit ihren engen, nationalistischen, rassistischen Ansprüchen, die diese EU bekämpfen. Gefährlich, dass sie es tun.“

 

Erika Pluhar u. Benedikt Weingartner im Haus der EU, Wien 

 

Lissabon. Istanbul. Zwei Städte, die beide am Meer liegen, jedoch unterschiedlicher nicht sein könnten. Und genau dazwischen, da ist Erika Pluhar zuhause, da gehört sie hin. Die Grosseltern stammen aus der Tschechoslowakei. Auf ihre Kindheit angesprochen, wirkt Pluhar nachdenklich. Was bedeutet Leben? Krieg.  Angst. Bomben. Der Krieg hat Spuren hinterlassen. An die Nachkriegszeit kann sich die Ausnahmekünstlerin noch gut erinnern. Lesen. Schule. Schreiben. Friede. Europa bedeutet Friede! Vielfalt bringt Unterschied. Grenzen geben uns Raum. Es war in St. Pölten, als Pluhar die Europahymne vorstellte. 20 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Was hat sich geändert?

 

Erika Pluhar über die EU, Demokratie, Macht und Solidarität 

 

Europa: Zahlen. Banken. Macht!

 

Wirtschaftliche Aspekte dominieren das Europa von heute. Geistige Aspekte bleiben im Hintergrund.  So zumindest aus Sicht von Erika Pluhar, die sich selbst nicht unbedingt als wirtschaftliche Fachfrau bezeichnen möchte. Ihre Sorge gilt vielmehr den Menschen. Die EU muss höllisch aufpassen, dass diese nicht auf der Strecke bleiben. Kontrolle braucht Macht. Zu oft wird über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden. Zudem: Wie können Agenturen in New York überhaupt wissen, was hier los ist? – So ganz ist die beliebte Ausnahmekünstlerin mit den aktuellen Entwicklungen am Kontinent nicht einverstanden, sie hofft auf eine neue Balance der Werte. Die Lebensqualität leidet unter der unaufhaltsamen Digitalisierung. Kleine Gewohnheiten und Rituale schaffen Strukturen. Wir müssen wieder lernen, miteinander umzugehen. Wir müssen uns neu erfinden!

 

Erika Pluhar im Dialog über Europa, Kunst und Kultur

 

Erfahrungen fördern Entwicklung

 

Die Zeit am Burgtheater hat Pluhar gestärkt. Die Erfahrungen haben die ganz persönliche Entwicklung gestärkt und beschleunigt, die Texterin, Sängerin und Schriftstellerin setzt bewusst auf Inhalte. Demokratie ist schliesslich das Beste, was wir haben,  zu viele Menschen sind für das Wahlrecht gestorben. Das Europäische Parlament könnte durchaus eine Stärkung erfahren, soziale Aspekte dürfen niemals ausser Acht gelassen werden, es geht um die gesellschaftliche Stabilität. Die jungen Beitrittsländer durchleben eine ideologische Evolution, Österreich ist eine Insel der Seligen. Das Sozialsystem funktioniert. Dennoch, und davon rückt die reichlich temperamentvolle Künstlerin nicht einen Zentimeter ab, es braucht Kritik zur recht Zeit. Gefährdungen sind zu beachten, die Problematik des Rechtspopulismus darf nicht unterschätzt werden. Speziell wirtschaftliche Belange sind geeignet, diesen zu schüren, so Pluhar. Es braucht Vernunft.

 

Erika Pluhar im Haus der EU: Europa, Demokratie und Menschlichkeit

 

Was ist Lebensqualität?

 

Menschenwürde. Einander zu achten ist Gebot der Stunde. So jedenfalls sieht es Pluhar. Menschlichkeit als höchstes geistiges Gut, dass wir besitzen, darf niemals vergessen werden. Freude, Sinnlichkeit – das sind Schlagworte, die leider viel zu oft vernachlässigt werden in unserer materiellen Welt, die Digitale Revolution lässt Herzen einsam sterben. Frauen, die sich zu Tode renovieren, so Pluhar, sind nur eine Facette unserer Leistungsgesellschaft, es kann nicht schaden, unsere Ideale einmal nachhaltig zu überdenken. Es muss nicht immer Dubai sein, der Wienerwald tut`s auch. Die Medien als eigentliche Herrscher geben vor, was wichtig ist – unterm Strich bleibt Oberflächlichkeit. Inhalte sind kaum erkennbar, wie überhaupt Vorurteile in vielen Belangen des Lebens erkennbar sind. Und diese kann Pluhar so überhaupt nicht ausstehen. Hautfarbe als Kriterium für gesellschaftliche Integration, Sympathie und Vertrauen ist ein Aspekt, der im Europa von heute denkbar unpässlich ist, es braucht Toleranz und Akzeptanz. Die Sprache jedenfalls ist durchwegs die wohl geringste Hürde der Integration. Europa steht vor einer grossen und sehr ganzheitlichen Lernaufgabe. Doch wann beginnt der dafür unbedingt erforderliche Lernprozess?

 

Erika Pluhar: EU, Politik, Kunst und Kultur

 

Unsere Zeit auf der Erde ….

 

Philosophie als weiterer Versuch der menschlichen Existenz, um unserem Dasein einen ernsthaften Sinn zu geben wäre eine durchaus sinnvolle Variante in unserer materiellen Welt, gleichsam als nicht minder virtuelles und zugleich ebenso spannendes Pendant zur Digitalisierung des Alltags. Sogar die Kunst ist geprägt von materiellen Aspekten, steckt`s doch den Maler in den Tresor. Was Erdogan und sein Türkei betrifft, so muss er diese erst mal neu positionieren. Seine Beliebtheit jedenfalls ist ziemlich inflationär. Die Kluft zwischen Arm und Reich als Problem der Gesellschaft lässt auf Solidarität hoffen, auch wenn diese speziell im Zusammenhang mit Geld recht ausgedünnt wirkt. Das Phänomen Griechenland bereitet sichtlich Sorgen. Wenn Rente und Wohnung plötzlich weg sind, von der  medizinischen Versorgung ganz zu schweigen, fällt es schwer, entspannt zu bleiben.

Das Gemüt leidet. Vergessen wir doch einfach die Staatsschulden. 

 

 

Press-Media Syndicate

Text u. Fotos: Thomas Winkler


 

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