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Serge Falck

Spiegel Online

 

Serge Falck

 

„Europa ist für mich natürlich immer noch ein Friedensprojekt, aber das Visionäre soll nicht hinter den rein wirtschaftlichen Interessen verloren gehen.“

 

Serge Falck & Benedikt Weingartner

 

Tatort. Soko. Medicopter. Nicht zu vergessen die Copstories. Serge Falck ist aus der Filmszene nicht wegzudenken. Begonnen hat es in der Josefstadt, am Theater. Geboren in Antwerpen, hat es den begeisterten Schüler in jungen Jahren nach Innsbruck gezogen, wo er die Schauspielschule absolvierte. Sehr bald stellte er fest, dass in der Alpenrepublik die Uhren anders ticken: Zeitverzögert um rund ein halbes Jahr, erobern die relevanten Strömungen und Trend die heimischen Gefilde, es dominiert eine gewisse Beschaulichkeit, was aktuelle Dinge betrifft. Ausserdem, so Falck, brauchen die Dinge eine gewisse Anlaufzeit. Das betrifft auch die einfachen Dinge wie Kommunikation und Kontaktaufnahme, und spielt damit auf die sehr offenherzige Mentalität der Holländer an, die gerne und viel mit dem Rad fahren. Doch was hat es damit auf sich?

 

Serge Falck - Ingetrationsbotschafter für Europa

 

Reden verbindet

 

Das Kernelement der gelebten Integration ist und bleibt die Sprache. Der Dialog verbindet. Von Toleranz, Offenheit und ein klein wenig Vertrauen abgesehen braucht es nicht viel, Integration aktiv zu leben, so Falck, der sein Aufgabe als Integrationsbotschafter für Europa mit Leidenschaft und Hingabe erfüllt. Kultur verbindet, der Promifaktor unterstreicht die Botschaft. Gemeinsam mit Sebastian Kurz wirbt er für Toleranz und Verständnis an Schulen: Die Jugend von heute dominiert und führt das Europa von morgen – wie man sich bettet, so liegt man. Dazu kommt, so Falck, dass der Planet nicht grösser wird. Entweder, wir vertragen uns, oder eben nicht. Doch wer will schon Krieg?

 

Serge Falck - Schauspieler 

 

Toleranz und Ehrlichkeit

 

Die gesellschaftlichen Umstände haben das Berufsbild des Rassismus-Therapeuten hervorgebracht. Während in Holland ein freundliches Lächeln genügt, um ins Gespräch zu kommen, braucht es hier vielfach einen zweiten oder dritten Anlauf, um die Einstiegshürde zu nehmen. Die Alpen müssen als logische Hauptursache für Orientierungsschwierigkeiten herhalten. In Holland kannst Dich nicht verirren, da ist alles flach, so Falck. Berge machen engstirnig. Er lacht. Falck hat seine Prinzipien.


Serge Falck: Soko, Medicopter: Schauspieler, Drehbuchautor

 

Kritik ist Luxus

 

Ich habe eine Meinung. Also lebe ich. So sein Vater, der Kritik als Luxus empfindet. Lügen ist zu anstrengend, da muss man sich so viel merken. Die ziemlich markanten Grundsätze prägen das Wesen des charmanten Schauspielers. Er hofft, dass die Botschaft des friedlichen Miteinanders in den Herzen der Menschen ankommt. Überhaupt, Zielsetzungen müssen hinterfragt werden. Das gilt speziell für die Politik. Geld und Wachstum ist nicht alles. Es braucht ein Drehbuch mit neuen Ansätzen, sonst stehen wir nachhaltig an. Dem Europa der Konzerne droht ein eklatanter Rechtsruck, wenn wir nicht höllisch aufpassen, wir sind dabei, die Menschen zu verlieren. Falck ist nicht nur Schauspieler, sondern auch ein exzellenter Beobachter. Entmenschlichung jedenfalls erschwert jede Integration.

 

Serge Falck im Haus der EU 

 

Souveränität versus Integration?

 

Falck hofft auf eine neue Qualität im Zusammenleben. Die traditionellen und teils ziemlich souveränen Ansätze für aktuelle Herausforderungen sind denkbar ungeeignet für echte weil ehrliche Lösungen, Falck setzt konsequent auf Dialog. Und Ehrlichkeit. Immer nur Einheitsbrei, das passt nicht in seine Vorstellung für ein erfülltes Leben. Er braucht Abwechslung, will mitten drin sein. Mit Klischees kann er jedenfalls nicht allzu viel anfangen. Abgetretene Wege liegen ihm gar nicht, Vielfalt ist gefragt.

 

SOKO irgendwo?

 

Tradition bedeutet Vorhersehbarkeit. Doch es fehlt an Spannung. So, wie auch dem Fernsehprogramm etwas Abwechslung nicht schaden kann, braucht es in kulturellen Belangen eine angemessen Vielfalt. Tradition bringt Fadesse, Engstirnigkeit prägt den Alltag. Das dringt durch bis in die Kultur, wir treten auf der Stelle. Revolution, Evolution – oder doch Tatort? Es braucht Mut, die Politik braucht Visionen – und Reformen. Die Vision Europa jedenfalls findet er gut, nur mit den unendlich vielen Klischees will sich Falck nicht anfreunden. Und kommt erneut auf die Sprache, das Kernelement des Dialogs zu sprechen. Dialekt bedeutet Ausgrenzung, wenn`s keiner mehr versteht. Ähnlich ist es mit der Grammatik und dem geschriebenen Wort: Erdbeeren im Jänner machen nicht glücklich.

Stereotypen gibt es viele. Freiheit bedeutet, sich für einen eigenen Weg zu entscheiden. Von wegen eigene Mode oder gar hippe Protestsongs, seit den 68ern ist keine Szene echter Rebellen erkennbar. Das Smartphone verbindet. Macht`s was, so Falck. Das Loch in der Hose ist zu wenig. Der Appell geht an die Jugend!           

Text & Fotos: Thomas Winkler

Press-Media Syndicate