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Stefan Ruzowitzky

Spiegel Online

Stefan Ruzowitzky

 

„Europa ist für mich Heimat.“

 

Stefan Ruzowitzky & Benedikt Weingartner

 

Anatomie. Die Fälscher. Bingo! Die Rede ist von Starregisseur und Drehbuchautor Stefan Ruzowitzky. Das Haus der Europäischen Union ist einmal mehr bis auf den letzten Platz belegt, um diesen hautnah zu erleben. Derzeit dreht er einen Thriller. Verfolgungsjagd auf der Ringstrasse, Überschlag am Schwedenplatz. Er lasst`s mächtig krachen. Die junge Generation will Action sehen, schöne heile Welt. Er macht Filme fürs Publikum. Und hat dabei sichtlich mächtig Spass. Geht nicht gibt`s nicht, das einzige Manko: Die überm grossen Wasser haben riesige Budgets. Hierzulande wird`s eng, da haben es unsere Nachbarn doch etwas leichter. Dazu kommen kulturelle Eigenheiten. Was da gut ankommt, trifft andernorts in den Fettnapf. Filmemachen ist ein Balanceakt.

 

Stefan Ruzowitzky, Filmregisseur 

 

Filmindustrie schafft Jobs

 

Die Millionenbudgets der Amis haben was für sich. Da kann man richtig Kino machen. Es hat sich sogar bis nach Europa herumgesprochen, dass die Branche Jobs schafft. James Bond ist ein gestandener Brite, im Dienste seiner Majestät. Nur Harry Potter könnte ihm Konkurrenz machen. Film hat Tradition bei den schrulligen Briten, Film ist gut für`s Image und stärkt zugleich die Volkswirtschaft: Wer Autos fliegen lässt, muss gründlich aufräumen. Zumal – es braucht viel Manpower, um Kassenknüller auf die Beine zu stellen: Drehbuch, Finanzierung, Casting, Pre-Production. Dann geht`s richtig zur Sache, die Cutter haben viel zu tun. Dazu der PR-Apparat, Galas und die Fotostrecke. Da steckt viel Arbeit dahinter, die Premiere ist eine heikle Sache.  Umso besser, dass die Politik auf den Geschmack der Rabatt-Modelle gekommen ist. Das Land braucht Jobs, die Filmindustrie braucht Leute. Schauspieler, Agenten, Autoren, Regisseure. Und natürlich Stars. Bond lebt nicht schlecht, wie die Geschichte zeigt: Martini und Aston gehören dazu.

 

Stefan Ruzowitzky - Regisseur 

 

Rassismus wirkt wie Sprengstoff

 

Herkunft und Religion sind die Basis für gesellschaftliche Turbulenzen. Es führt unweigerlich zu Ächtung, Rechtlosigkeit ist eine solide Basis für das ultimative Desaster. Die Mechanismen führen zu teils seltsamen Reaktionen, Ruzowitzky bringt die FPÖ ins Spiel, eine Ideologie, mit der er sich so gar nicht anfreunden will, wie es scheint. Argumente ziehen nicht. Doch was kann man machen? Der gesellschaftspolitische Rechtsruck geht durch alle Länder, rund um den Globus. Doch bei dem, was der konservative Flügel oft so treibt, darf es nicht verwundern, dass dem so ist. HC braucht keine Werbung, unsere Politstars treiben ihm die Massen mit bewundernswerter Konsequenz in sein Lager. Zeit zum Aufwachen, so geht`s nicht weiter! Ob das gar an der Einfallslosigkeit des alten Bundeskanzlers liegt, so die Hypothese des Starregisseurs. Er ist begeisterter Europäer.

 

Stefan Ruzowitzky im Haus der EU

 

Flüchtlingswelt und Finanzmärkte

 

Die aktuellen Probleme verlangen nach einem organisierten Europa. Nationalismen sind denkbar ungeeignet, die Herausforderungen unter Kontrolle zu bringen. Die Trophäenjagd nationaler  Volksvertreter ist nicht unbedingt förderlich, die Probleme ernsthaft anzugehen. Runde Tische sind eine feine Sache, es braucht neue Ansätze – und Lösungen. Anders kriegen wir die Kurve sicher nicht. Würde Ruzowitzky einen Film über die EU drehen – es wär ein Action-Reisser. Die Akteure haben`s einfach drauf, das wäre eine durchaus unterhaltsame Sache. Eine Hermann Hesse Produktion wäre eine Vision, Filmstoff ist nicht einfach zu finden, speziell in der anspruchsvollen Liga. Es geht um Geschichten, die bewegen. Symbole sprechen eine klare Sprache, jede Einstellung zählt, das Spiel mit den Elementen ist eine komplexe Angelegenheit, sich von allen Konventionen zu lösen stets eine gewagte Gratwanderung. Zumal: Fördergelder sind Steuergelder, das Wort Verantwortung schwebt im Raum.

 

Stefan Ruzowitzky - Filmregisseur, Drehbuchautor 

 

Wer wagt, gewinnt!

 

Visionslose Geschöpfe haben wenig Chancen. Traut`s euch was, legt`s die Latte hoch, so die Devise von Ruzowitzky. Bereits mit 10 Jahren wusste er, dass er Regisseur werden wollte. Träumen ist zu wenig, als Mann der Tat weiss er, dass Träume gelebt werden wollen. Wer in jungen Jahren eben mal eine Lehrstelle bei Kastner und Öhler will, bleibt auf der Strecke. Die Latte hoch zu legen ist wichtig, gar keine Latte zu haben, eine denkbar schlechte Ausgangsposition für jegliche Entwicklung, von Entfaltung ganz zu schweigen.

Was seine Wünsche an die Glücksfee betrifft, so hofft er auf eine Lösung der Flüchtlingskrise, gibt aber offen zu, keine konkrete Vision zu haben. Die Lösung liegt auf europäischer Ebene und Zusammenarbeit.   

 

Text & Fotos: Thomas Winkler

Press-Media Agency