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Downgrade-Kandidat Österreich?

Spiegel Online

Downgrade-Kandidaten der EU:

I-CV sieht Österreich als Downgrade-Kandidaten!

 

Geopolitische Spannungen, Arbeitslosigkeit und ein unübersehbares Deflationsszenario. In Verbindung mit den offensichtlichen strukturellen Schwachpunkten darf es nicht verwundern, dass die Europäische Ratingagentur I-CV ein durchwachsenes Bild von Europas Wirtschaft erkennen will.

 

AT: Kandidat für Downgrading? - R. Hermann & Schuster

 

Drückende Staatsschulden quer über den Kontinent, Massenarbeitslosigkeit und Krisen ohne Ende. Während heimische Forschungsinstitute der europäischen Wirtschaft eine gewisse Grundstabilität bescheinigen, sehen es die Eidgenossen eher pessimistisch. Die verpuffende EZB-Politik mit dem aktuellen Niedrigzins-Umfeld übertünche die strukturellen Schwächen einiger Länder. Die europäische Ratingagentur Independent Credit View (I-CV) mit Sitz in der Schweiz sieht Österreich ebenso wie Slowenien, Frankreich, Belgien und auch Grossbritannien als Kandidaten für ein Down-Grading im Länderrating. Rene Hermann, Partner und Research-Leiter bei der I-CV analysiert gemeinsam mit Andreas Schuster, HCM (Hypo Capital Management) ein sichtlich sehr eindimensionales Szenario. 

 

R. Hermann - I-CV 

 

Reformstau und Krisenherde

 

Verzögerte Reformen und ein schwacher politischer Wille sind aus Sicht der Schweizer Analysten für den erforderlichen Aufschwung ebenso ungeeignet wie die Ukraine-Krise in Verbindung mit einer unübersehbaren Putin-Phobie. Von der bislang ungelösten Verschuldungssituation quer durch Europa ganz zu schweigen, ist derzeit kaum Wachstum erkennbar. Dazu kommen laufend neue Schulden, wie das Schweizer Institut in seiner jüngsten Analyse feststellt. In dieser wird auch vor einer Blasenbildung auf den Aktien-, Immobilien-, Bond- und Rohstoffmärkten gewarnt. Mehr als 1,7% Wachstum bis 2016 sind kaum erreichbar, das wird eng, speziell für Irland und Spanien. Dort hat sich das Wachstum im Verhältnis zu den Vorkrisenjahren beinahe gedrittelt. Laut Hermann gibt es zu viele fundamentale Probleme. Die grössten Belastungen liegen in hohen  Transferzahlungen und  Subventionen an nicht konkurrenzfähige Wirtschaftszweige sowie in überdimensionierten Sozialsystemen und einer ausufernden Bürokratie, so Hermann weiter. Die Verzögerung bei der Reform der Steuersystem führt zu einem weiteren Defizit, was wiederum die Flexibilität der Staaten limitiert. Das Tiefzinsumfeld macht die Verschuldung zwar ertragbar, erhöhe jedoch die Risiken von Anpassungsschocks, so das Fazit von Hermann.

 

A. Schuster 

 

Bankenlandschaft erntet reichlich Kritik

 

Es sind nicht allein die Politiker, die eins abkriegen. Das Krisenmanagement erntet verheerende Noten, die Vision einer Wiederwahl verschleppt jede noch so sinnvolle Reform. In Italien gibt es intakte Unternehmen und eine solide Sparquote, die politische Szene dümpelt willenlos dahin, doch  dank schräger Tricks in der Buchhaltung ist das BIP um 3,7% gestiegen. In Deutschland orten die Eidesgenossen Schwachstellen in Bankensystem und Demographie, kurzum: Der Euroraum ist mit Schwachstellen übersäht, am Bankensektor sind reichlich theoretische Konstruktionen erkennbar. Unterschiedliche Bewertungen und Analysen erschweren den Überblick, es gibt zu viele unbesicherte Bankendeals, speziell im Zusammenhang mit Krisenregionen. Aktiva werden falsch bewertet, der Unterschied ist eklatant, die Verunsicherung in der Szene ist gross. Kritik auch dafür, dass für kommerziell gebauten Mist immer wieder der Steuerzahler herhalten muss.

 

Österreich: Das Land braucht Bewegung!   

 

Das Pensionssystem in Österreich erntet ebenfalls Kritik. Die Alterskosten bilden eine tickende Zeitbombe und verschieben zudem das Konsumverhalten. Doch da gerade Pensionisten eine durchwegs dankbare Wählerschicht abgeben, sind durchgreifende Reformen höchst unwahrscheinlich, die Schulden der früheren Generationen werden durch steigende Steuern bestritten. Schönrechnen bringt Vorteile, ausgelagerte Positionen wie die ÖBB müssen jedoch wieder eingerechnet werden. Wäre die ÖBB statistisch nicht ausgelagert worden, wäre Österreich nicht in der Eurozone. Von der Rentenreform abgesehen hat Österreich eine der höchsten Staatsquoten im Euroraum, die Experten raten unverblümt zu einer Reduktion des Staatsapparates. Sparen ist angesagt, Arbeit muss entlastet werden. Lob hingegen gibt es für die kontinuierliche politische Stabilität, das Bildungssystem und die hohe Qualität im Dienstleistungsbereich.

 

Emanzipation der EZB: Wirkung unbekannt

 

Abbaugesellschaften, Bad Banks und viele unbekannte Komponenten verursachen heftige  Verwerfungen. Die Auswirkungen über die Emanzipation der EZB sind aus Sicht der Experten schwer vorhersehbar, das Experiment könnte jedoch gelingen, auch wenn die politische Instrumentalisierung der Banken am Mandat vorbeigeht. Die Entkoppelung von Staat und Wirtschaft wäre angebracht. Dazu kommt, dass auch Draghi irgendwann Resultate liefern muss.

Angesichts des auffälligen Kreditwachstums in Ländern wie Luxemburg und Norwegen, bedingt durch tiefe Zinsen, zeichnet sich eine Überhitzungsgefahr ab. Das Kernproblem der Währungsunion und der europäischen Banken scheint tabu, Hermann vermisst die Verpflichtung, risikobehaftete Staatsanleihenmit Eigenkapital zu unterlegen oder gegen Grosskreditgrenzen anzurechnen.

 

Hermann - Schuster

 

Bericht & Fotos: Thomas Winkler

Press-Media Syndicate Int.