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Leadership in bewegten Zeiten

Spiegel Online

Das europäische Führungsmodell: Softskills und Netzwerke 


Mit Spannung verfolgen 400 Unternehmer und Opinionleader sowie hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft das 16. Summernight Symposium von Roland Berger Strategy Consultants. Das europäische Führungsmodell steht am Prüfstand. Es geht um gelebte Verantwortung und Werte.

 

Roland Berger Sommernach-Symposium 

Siegbert Alber, Generalanwalt am Gerichtshof der Europäischen Union a.D., Willibald Cernko, Vorstandsvorsitzender der UniCredit Bank Austria, Christian Kern, Vorstandsvorsitzender ÖBB Holding, Sebastian Kurz, Aussenminister der Republik Österreich sowie Burkhard Schwenker, CEO von Roland Berger Strategy Consultants erörtern in einer spannenden Podiumsdiskussion aktuelle Führungsmodelle aus Politik und Wirtschaft. Die einführenden Worte kommen von Prof. Dr. Roland Berger. Egoismen und autoritäre Alleinherrscher haben ausgedient, es zählen Werte. Eitelkeit und Co. gelten, so beweisen Studien, als Ursachen für das Scheitern von Führungskräften. Unbestechlich, kreativ und kommunikativ: Scharfsinnige Analytiker mit ausgeprägten Softskills prägen die Elite, Loyalität ist eine Tugend.

Menschen statt Technokraten

 

Anders als in den USA brilliert das europäische Management mit langfristigen Strategien. Die doch ziemlich konträre Philosophie gilt als Basis für den Erfolg Europas, es geht um nachhaltige Schritte. Wie zudem die aktuellen Entwicklungen beweisen, gewinnt Faktor X an Bedeutung: Weder Wahrscheinlichkeit noch Richtung oder auch der Faktor Zeit sind prognostizierbar, die Zukunft ist eben nicht mehr das, was sie einmal war. Zahlen spielen zusehends eine untergeordnete Rolle bei der Entscheidungsfindung, die aufkommende Ungewissheit rückt den Begriff Planbarkeit in gänzlich neues Licht. Die makroökonomische Komponente wird vielfach unterschätzt – Engstirnigkeit und blinder Aktionismus sind denkbar ungeeignet, dem Dilemma „Verantwortung“ zu entrinnen.

Wirtschaft versus Politik

 

„Too little – too late“: Unternehmen wären sehr schnell ein Fall für den Konkursrichter, wenn diese  den in der EU praktizierten Handlungsstil kopierten. Von wegen Symphonie, Einigkeit hat Seltenheitswert. Ob Aussen- oder Wirtschaftspolitik, in grundsätzlichen Fragen macht sich ausgesprochene Stimmenvielfalt bemerkbar, auch wenn wie unter dem Druck der Finanz- und Wirtschaftskrise Lerneffekte in Form einer Bankenunion erkennbar sind. Europa ist ein Lernprozess – die gemeinsame Position fehlt. Doch gerade die Vielfalt Europas kann eine einmalige Chance bedeuten, Toleranz und andere Kulturen eröffnen interessante Perspektiven für Ausgewogenheit und neue Synergien. Und während sich die Politik erfolgreich vor Verantwortung drückt, werden unternehmerische Entscheidungen nur allzu oft juristischen Tabuzonen zugeordnet.   

ÖBB: „Heavy Metal“ auf Schiene

 

Der Turnaround ist gelungen. Christian Kern macht keinen Hehl daraus, dass der Weg in die Dienstleistungsorientierung nicht unbedingt einfach ist. Nach intensiver Strategiearbeit geht es um Kommunikation in allen Ebenen und Bereichen. Der Erfolg beginnt im Maschinenraum – es braucht eine ordentliche Portion Demut, um ein Unternehmen dieser Kategorie auf die Erfolgsschiene zu bringen. Dazu kommt, dass auch die Bedürfnisse der Kunden einem Wandel unterzogen sind.

EU: Zu viele Entscheidungsträger

 

Das Europaparlament stellt sich auf die Hinterbeine, die Kommission gewinnt an Stärke. Tendenzielle Transpositionen sind erkennbar – doch Brüssel ist weit weg, es fehlt an Greifbarkeit. Viele Entscheidungsträger machen die Entscheidungsfindung zu einer komplexen Angelegenheit, es geht schliesslich um gelebte Demokratie, um Entwicklung. In diesem Zusammenhang plädiert Kurz für eine Direktwahl des Kommissionspräsidenten. In der Politik, so Kurz, geht es um Persönlichkeiten. Die Europäische Union muss näher an die Menschen gebracht werden, Mauern müssen fallen. Das trifft sich ausgesprochen gut – Brüssel sucht die Bürgernähe. Es geht um Verständnis für das Projekt Europa.

Viel Europa. Wenig Führung?

 

Deutscher Bundestag, Europäisches Parlament, Gerichtshof, heute angesehener Berater der Politik. Siegbert Alber, Generalanwalt der Europäischen Union a.D., erkennt eine Angst der Bürger vor Europa. Zahlreiche Institutionen sind vielen Bürgern unbekannt, es ist kaum nachvollziehbar, wie effiziente Führung gelingen kann, so zersplittert wie sich die EU derzeit gibt. Einigkeit ist kaum erkennbar, doch da alle schimpfen, kann es so schlecht nicht sein. Ein dynamischer Prozess braucht dynamische Politik. Zu viele Nationalismen – vom Stacheldraht bis zum Rechtswesen – sind geeignet, die Entwicklung zu bremsen. Europa ist im Aufbau, Demokratie im Instantverfahren gibt`s eben nicht. 28 Mitgliedsländer, immanente Widersprüche und latente Problemfälle ( England? ) bringen Kurzweil ins Spiel, Alber bringt manch unterhaltsame Anekdote ins Spiel. Wenn wir nicht den Europäer schaffen, werden wir auch Europa nicht schaffen, so die mahnenden Worte des lang gedienten Europäers.

Dennoch, Politik und Wirtschaft sind zu unterschiedlich, wie die Strategien erkennen lassen: Während die einen gar keine haben, denken andere in Jahrzehnten, um sich laufend den aktuellen Begebenheiten anzupassen.

Roland Berger Strategy Consultants, 1967 gegründet, ist eine der weltweit führenden Strategieberatungen. Mit rund 2.700 Mitarbeitern und 51 Büros in 36 Ländern ist das Unternehmen erfolgreich auf dem Weltmarkt aktiv. Die Strategieberatung ist eine unabhängige Partnerschaft im ausschließlichen Eigentum von rund 250 Partnern.

 

Sommernachtsyposium 2014 - Roland Berger Strategy Consultants

 

Text & Fotos: Thomas Winkler

Press-Media Syndicate Int.