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Wirtschaftsprognose 2014 - 2016 der OeNB

Spiegel Online

Verhaltener Aufschwung - viele Unsicherheiten

Durchwachsen. Dieser Begriff scheint die Entwicklung der Wirtschaft im Euroraum  am treffendsten zu beschreiben. Gegenüber 2013 ist eine Verbesserung erkennbar. Dem Optimismus der Europäischen Kommission kann die ÖNB angesichts der vielen unbekannten Komponenten nur wenig abgewinnen.  

 

 OeNB: PK Prognose 2014-2016

 

Wien. OeNB. Die Wirtschaftsprognose der Österreichischen Nationalbank bis 2016 hat es in sich. Univ.-Prof. Dr. Ewald Nowotny und Dr. Doris Ritzberger-Grünwald analysieren die aktuelle wirtschaftliche Situation im und um den Euroraum. Der von der Kommission zur Schau gestellte Optimismus scheint angesichts der Umstände speziell in den südlichen Ländern Europas nur bedingt berechtigt, die Umstände in Italien und Frankreich wirken vielmehr beunruhigend. Die Zahlen 2014 liegen massiv unter dem, was die EZB als Preisstabilität bezeichnet. Univ.-Prof. Dr. E. Nowotny jedenfalls sieht bis  2016 keine echte Annäherung an die Stabilitätsziele. Wunder sind keine in Sicht und dürfen defacto auch nicht erwartet werden. Der Geldmarkt giert nach merklicher Belebung. Der aktuelle Aufschwung der österreichischen Wirtschaft jedenfalls ist Exporten zu verdanken. Ab 2015 / 16 soll das Wachstum von 1,6 % aktuell auf rund 2 % steigen, wobei diesmal die Nachfragekomponenten der Haushalte ins Spiel kommen könnten.

Kreditvergabe dämpft Aufschwung

 

Um den erforderlichen Aufschwung herbei zu führen, ist eine gezielte Kreditvergabe erforderlich. Speziell Kleinunternehmen sind auf Kredite angewiesen, es braucht eine verstärkte Liquiditätsbereitstellung. Die Realwirtschaft dümpelt speziell in Peripherieländern eher lustlos dahin. Gedämpft in den USA, intakt in Asien – das Wachstum sollte einen Aufwärtstrend erfahren, der Euroraum hat die Rezession hinter sich gelassen. Makroökonomische Schwächen wurden kompensiert, doch eine restriktive Kreditvergabe in Verbindung mit seit geraumer Zeit durchwegs hohen Arbeitslosenzahlen und eklatanter privater Verschuldung drücken auf die Stimmung. Jetzt braucht es Impulse!

Österreich: Beschäftigungswachstum

 

Auch wenn Österreich in Sachen Arbeitslosenzahlen aus Sicht der ÖNB solide aufgestellt ist, dürfte eine nachhaltige Besserung der Lage erst für 2016 erwartet werden. Die Leistungsbilanz ist massiv positiv, die Indikatoren für Wettbewerbsfähigkeit geben Hoffnung. Die Inflationsentwicklung ist zwar stärker als andernorts im Euroraum, die Dienstleistungsbranche ist sichtlich geplagt von gravierenden  Nebenkosten. Verbesserte Absatzchancen und Ersatzinvestitionen beleben, Wohnbauinvestitionen in Verbindung mit günstigen Finanzierungen und steigende Immobilienpreise sorgen für Rückenwind. Die realen Haushaltseinkommen sollten kontinuierlich steigen, was eine Wachstumsquote von bis 0,7 % in 2014 auf 1,o % in 2015 erwarten lässt. 2016 sollten es jedenfalls 1,4 % sein. Arbeitnehmer, Vermögen- und Selbständige und Pensionisten liefern ein breites Aggregat für Wachstum und Steigerungen, wobei nach Anhebung der Mineralölsteuer auch Nova, Tabak- und Alkoholsteuer die sonst durchaus berechtigte Freude ein klein wenig dämpfen.

Rohstoffpreise bremsen Inflationsdynamik

 

Der OeNB zufolge bleibt die Inflation unter 2 %, wobei von sinkenden Energie- und Rohstoffpreisen ausgegangen wird. Das sollte die Inflationsdynamik dämpfen. Für 2015 prognostiziert die OeNB gerade mal  1,7 % HVPI-Inflationsrate. Erst 2016 soll die Inflation wieder auf 1,9 % steigen. Was das Budget betrifft, so fällt der Saldo auf -2,5 % des BIP, bedingt durch weitere Zahlungen an Banken, um erst 2016 eine merkliche Besserung zu erfahren. Die OeNB erhofft diesbezüglich -0,7 % des BIP.  Das Budgetziel verlangt seinen Tribut, der Faktor Zeit spielt eine enorme Rolle. Die EU macht Druck. Doch was hilft es, wenn Fernsehgeräte billiger werden, während die Kosten in sensiblen Bereichen explodieren. Was die gesamtstaatliche Budgetquote betrifft, so ist diese auf die Einmaleffekte der Versteigerung der Mobilfunkfrequenzen sowie dem Steuerabkommen mit der Schweiz zurück zu führen. Die Hypo Alpe-Adria jedenfalls kostet Geld, und das nicht zu knapp: Im laufenden Jahr ist mit einem Anstieg der öffentlichen Schuldenquote auf 79,2 % des BIP zu rechnen. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Gasimporte: Ökomischer Sprengstoff

 

Was Russland und Ukraine betrifft: Wechselkursabwertung, Vermögensabzug und komplexe Auslandsverflechtungen machen sich bemerkbar.  Zypern, Finnland und baltische Länder sind besonders betroffen, eine Eskalation wäre eine Garantie für einen unvorstellbaren Abwärtstrend. Ein Lieferstopp für Energie hätte enorme Folgen für die österreichische Industrie. Die Nebenwirkungen sind schwer zu kalkulieren jedoch bestens geeignet, auch vorsichtige Prognosen ad absurdum zu führen.   

 

Text & Foto: Thomas Winkler

Press-Media Syndicate Int.