skip to content

FIFA: WM Brasilien als Steuerfreizone

Spiegel Online

FIFA: Ein Verein verdient Milliarden

 

Die FIFA kommt nicht aus den Schlagzeilen. Die WM in Brasilien bringt wieder so allerlei Ungereimtheiten ans Tageslicht. Schmiergeldzahlungen, interne Zuwendungen und eine unglückliche Vergabepolitik rücken den Familienbetrieb FIFA in schräges Licht. Jetzt steht das Steuersparmodell des Monopolisten am Pranger.

 

Steueroase FIFA - Podiumsdiskussion

 

Bestechungsskandale, Massenproteste und Monopolisten. Franz Beckenbauer ist sichtlich verhärmt über die mittlerweile zwar aufgehobene Sperre, in der Gerüchteküche brodelt es. Qatar 22 scheint überaus unglücklich gelaufen zu sein, doch gehört es mittlerweile zum guten Ton, dass die FIFA die Umstände diktiert. Die Privilegien des Monopolisten wollen genutzt werden – so eine WM ist eine lukrative Sache. Maria Regina Duarte von der brasilianischen Steuerbehörde und Jean Francois Tanda, Journalist, nehmen bei ihrem Treffen in Wien das bunte Treiben des Familienbetriebs FIFA unter die Lupe.

Monopolisten zahlen keine Steuern!

 

Eine WM im eigenen Land ist eine feine Sache, von den enormen Investitionen einmal abgesehen. Und hier ist der Steuerzahler gefragt. Laut brasilianischem Rechnungshof jedenfalls kommen gerade mal 16 % der Kosten aus der Privatwirtschaft – der Rest bleibt am Steuerzahler hängen. Knapp 700 Millionen Euro für das Stadion in Brasilia ist ein Menge Geld, Brasilia hat damit das zweitteuerste Stadion der Welt. Zwar sollte – so zumindest wurde dies bei der WM-Vergabe noch angekündigt, der Steuerzahler von den Kosten verschont bleiben, doch wie es so ist im Leben kam es anders. Die Kosten für die Endrunde liegen bereits bei 8,5 Milliarden Euro, was die Gesamtkosten betrifft, so sind diese alles andere als transparent, auch mit der Nachhaltigkeit ist es so eine Sache. Die Infrastruktur ist gerade mal so ausgelegt, dass die Stadien erreichbar sind, König Fussball will bedient sein. Der Nachnutzen der Megaparty für die Bevölkerung vor Ort tendiert gegen Null, es bleiben Weisse Elefanten.

Steuerbefreiungen ohne Ende

 

Spieler, Schiedsrichter, Delegationen und natürlich Tochterfirmen und Zulieferer rund um die nationale Megaparty sind von der Steuerpflicht befreit. Es ist gerade die Elite einzelner Unternehmen, die in den Genuss der Zusammenarbeit mit der FIFA kommt. Kleinunternehmen gehen ziemlich leer aus, die Tochterfirmen profitieren von der Steuerbegünstigung. Auch das köstliche Bier für die Party kommt – Prost! - von einem einzigen Zulieferer. Wer mitmischt, profitiert, die Lizenzgebühren machen einen erklecklichen Betrag für die FIFA. Eintrittskarten, Übertragungsrechte und alle mit dem Event in Zusammenhang stehende Kostenstellen gehen spurlos am Fiskus vorbei, es gibt nichts zu verschenken.  

FIFA:  Fette Gewinne

 

Dank einem ausgeklügelten Steuersparmodell bringt es die FIFA auf ansehliche Gewinne. Die Zahlen lassen den Nestle-Boss vor Neid erblassen: 2010 brachte es der Verein mit mehr Mitgliedern als die UNO auf über 200 Millionen Dollar Gewinn, was für einen Verein eine beträchtliche Summe darstellt. Aufgrund der Gemeinnützigkeit des Vereins rund um Sepp Blatter sind dafür gerade mal vier Prozent des Reingewinns an Steuern fällig. In Verbindung mit kreativer Buchhaltung bleibt da nicht viel über, angesichts der enormen Ausgaben.  Entwicklungsprojekte und die laufende Förderung von Mitgliedsverbänden verursachen über 180 Million USD, der Rest geht für Personalkosten, Sozialleistungen und Kommunikation drauf. Auf der Gehaltsliste der FIFA stehen 450 Mitarbeiter in Zürich, dazu kommen 10 Direktoren und ein Ersatzkommitee. 36,3 Millionen USD für 38 Personen lassen den Verein wie einen Selbstbedienungsladen für Old-Boys erscheinen. Zudem sind es immer wieder dieselben Namen und Personen, die mit dem Verein in Zusammenhang gebracht werden. Gute Freunde kann niemand trennen. Der Kaiser muss es wissen.

Fiskus in Geiselhaft der FIFA

 

Die Steuerbefreiungsgesetze in Brasilien wurden erst 2012 beschlossen und haben mittlerweile den Obersten Gerichtshof alarmiert. Die Steuerbefreiung der FIFA hat bereits Tradition und gilt generell als Voraussetzung für den Zuschlag einer WM.

Mit Fussball ist gutes Geld zu machen. Die Millionenschieber rund um Sepp Blatter und Co. wissen, wie es geht. Und alle spielen mit.  

 

Duarte, Neuwirth, Tanda

 

Text & Fotos: Thomas Winkler

Press-Media Syndicate Int.

  Designed by Webdesign Wien